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Claus von Wagner begeisterte Publikum in der Sporthalle Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Hörern von Bayern 3 oder Zuschauern von „Ottis Schlachthof“ ist er seit langer Zeit bekannt. Nun kam der Kabarettist Claus von Wagner nach Henfenfeld, um in der Sporthalle sein aktuelles Programm „Drei Sekunden Gegenwart“ vorzustellen.

claus_von_wagner_-_svh-kultur_2_klein.jpgDer Vorsitzende des SVH, Reinhold Heinrich, zugleich treibende Kraft der Kultursparte des Sportvereins listete die Preise auf, die Claus von Wagner reihenweise seit 2002 eingesammelt hat, zuletzt 2010 den Deutschen Kleinkunstpreis. Sein besonderer Dank galt den Hauptsponsoren, der Sparkasse Nürnberg und der Firma Dauphin aus Offenhausen. 

Kurz herrschte Orientierungslosigkeit im vollbesetzten Saal, denn Claus von Wagner erstürmte nicht sofort die Bühne, sondern ging locker plaudernd durch die Zuschauerreihen. Mit einem sportlichen Sprung landete er schließlich auf der Bühne, die mit teils merkwürdigen Requisiten ausgestattet war.  Seine ersten Erzählungen aus seiner Jugendzeit im oberbayerischen Miesbach sorgten für die ersten Brüller im Publikum. In höllischem Tempo sprudelte das Weltgeschehen in Worten aus ihm heraus. Schon hier bekamen die Politiker aller Couleur ihr Fett ab. Schnell danach eine kurze Einspielung von Bruckners 7. Symphonie, welche eine Rezension bekam, die sich gewaschen hatte. Überraschend stellte er die Zwischenfrage, wieso eigentlich Elektronikgeräte einen Tag nach Garantieablauf kaputt gehen. Dann der Wechsel zu einem anderen Alias, zu einem stolzen Vater einer Tochter namens Penelope. Eine Warnung sprach er an alle Väter aus, die Nacktfotos von ihren Babys auf dem PC speichern, das kann gefährlich werden! Einen Schritt weiter bezeichnete er, aufgrund der hohen Scheidungsraten, schon die Hochzeitsgäste als Katastrophentouristen. Was aus den Kindern werde, welche Schule sie besuchen, läge zum einen am Namen der Kinder, zum anderen am Beruf der Eltern. Die Umbenennung der Hauptschule zur Mittelschule verglich er mit der Umbenennung vom Schokoriegel „Raider“ zu „Twix“. Dann eine besondere Feststellung, dass Greenpeace es jahrzehntelang nicht geschafft habe, den Flugverkehr einzudämmen, ein isländischer Vulkan hingegen schon.  Was das Jetzt ist, das Thema seines Kabarettprogrammes, erklärte Wagner so: Die Gegenwart dauert drei Sekunden, in dieser Zeit muss das Wichtigste erreicht werden. Daher werden Botschaften auf drei Sekunden minimiert, als Beispiele nannte er Slogans aus der Politik. Bei den abgewandelten Formen kam das Publikum aus dem Lachen nicht heraus.  

Wagner blaffte, schoss Wortsalven ins Publikum, gestikulierte und zeigte eine Mimik vom Feinsten. Er prangerte soziale Missstände an, beispielsweise den Kauf von billigen T-Shirts, die von Kindern in Bangladesch gefertigt werden. Auch konträre Verhaltensweisen gerieten unter Beschuss: Porsche Cayenne fahren, aber grün wählen.

Ein richtiges Ein-Mann-Theaterstück war der Wechsel in den Gerichtssaal. Dort verkörperte er den Angeklagten, einen Vater der das Sorgerecht verteidigt. Die streitbare Mutter, eine Bindestrichfrau, wurde mit entsprechender Stimmverstellung vorzüglich in Szene gesetzt.  Dazu kamen ein Verteidiger, Kläger und als Besonderheit die „Umstände“, welche in Verfahren immer mehr eine besondere Rolle spielen. Als Richter wirkte er donnernd, wortgewaltig auftretend. Eine besondere Einlage war ein fiktiver roter Luftballon, der durch den Saal flog und als roter Faden wirkte.  Dem „Angeklagten“ wurde rasch klar gemacht, dass Redewendungen aus Filmen mit amerikanischer Justiz in Deutschland sehr schnell anecken können. Auf der Anklagebank fanden sich auch wieder die Politiker. Besondere Heiterkeit rief die Persiflage auf die Kanzlerin Angela Merkel hervor.  Claus von Wagners Kabarett hebt sich von anderen Akteuren seines Faches deutlich ab. Dies zeigt sich besonders in seinen schnellen Wechseln.

Er ist sozialkritisch, legt den Finger in die Wunden der Gesellschaft. Gleichzeitig bringt er auch banale Sachen, wie den Weltspartag auf einen humorvollen Punkt. Wenn er Personen ins Visier nimmt, dann in einer besonderen Art von Häme, die aggressiv aber nicht verletzend ist. claus_von_wagner_-_svh-kultur_1_klein.jpg Im mehr als zweistündigen Programm bewies Claus von Wagner, dass er mit Worten umzugehen weiß, wie andere mit Waffen. Hier wäre, dem Sprechtempo angepasst, allerdings nur ein Maschinengewehr entgegen zu setzen. Das Publikum war von diesem souveränen aber anspruchsvollen Auftritt hellauf begeistert, nach minutenlangem Beifall gab es auch eine Zugabe.     

Johann Dechant    Foto: J. Dechant

   
 
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